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April 7, 2015

Filed under: aktuelles,erzählungen — cf @ 9:27 pm

Am Montag schien wieder eine strahlende Sonne. Der Wind blieb kalt.

Mittags ging Peter mit Lisa essen. Lisa war gesprächig, und sie lachten wie gewöhnlich viel miteinander. Ganz nebenbei fragte er sie: „Und deine Freundin, wollte die nicht bei uns anfangen?“

Sie ist nur für ein paar Monate in der Stadt gewesen. In der Wohnung ihrer Schwester, die gerade im Ausland ist. Ich glaube am Wochenedne ist sie wieder weggezogen. Ich habe vergessen wohin.“

Wieder war dieser leise Gliederschmerz da. Er zog sich durch seinen Körper, die Sehnen entlang. Auch das Frösteln war nie ganz verschwunden. Sie liefen durch die Sonne zurück zum Büro und Peter stellte sich vor, wie er sich bei Lisa unterhakte. Als wäre es möglich, sich in ihr ansteckendes Lachen einzuhaken. Natürlich tat er es nicht. Sie waren nur Arbeistkollegen, und er nahm an, dass sie es unangemessen gefunden hätte.

Wo bist du denn eigentlich in den letzten Tagen mittags gewesen?“ fragte Lisa vor seiner Bürotür. Peter zuckte mit den Schultern, aber es war mehr ein Zusammenzucken, als hätte er gedankenlos etwas getan, und sie ihn dabei ertappt.

Wo bin ich gewesen? fragte er sich, als er allein in seinem Büro saß.

Das Frösteln blieb noch einige Wochen bei ihm. Noch ein paar Mal zuckt er mit den Schultern, als hätte man ihn erschreckt. Einmal war es seine Frau, die ihn fragte, wo er in der letzten Tagen mit seinen Gedanken sei. Einmal war es sein Sohn, der ihn ansah und auf eine Antwort wartete, zu der er die Frage nicht gehört hatte, und die er deshalb nicht geben konnte.

Nachts lag er oft lange wach. Es lag an der Kälte, die er nicht aus seinem Körper vertreiben konnte, die ihn am Einschlafen hinderte. Und in manchen Nächten, kurz bevor er endlich in den Schlaf glitt, schreckte er noch einmal hoch, weil plötzlich Sofie, deren Gesicht er tagsüber nicht erinnern konnte, ihn mit ihren grünen Augen geradewegs ansah.

 

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